Tom Greenfield: Dunkle Schokolade schützt die DNA und das Herz

Tom GreenfieldDunkle Schokolade schützt die DNA und das Herz

December 24th, 2009, by Tom

Eine aktuelle Studie im British Journal of Nutrition [1] hat festgestellt, dass dunkle Schokolade Antioxidantien enthält, die die DNA schützen. Dieser Effekt hält aber nur für einen Tag an. Forscher in Mailand (Italien) hatten bei 20 Freiwilligen, die eine ausgewogene Ernährung mit einem standardisierten Gehalt an Antioxidantien bekamen, die Plasmaspiegel von Epicatechin, die DNA-Schäden einzelliger Leukozyten (Monozyten, Lymphozyten) und die gesamte antioxidative Aktivität im Plasma gemessen. Nach einer Auswaschungsfrist von zwei Wochen (d.h. keine Schokolade, Tee oder Wein) bekamen die Probanden entweder 45 g dunkler (mit 860 mg Polyphenolen, davon 58 mg Epicatechin) oder weißer Schokolade (kein Epicatechin) zum Essen.

  • Epicatechin: Inhaltsstoff in Kakao; ein sekundärer Pflanzeninhaltsstoff (aus der Gruppe der Polyphenole, Flavanole), der auch in Tee und Wein vorkommt
  • Leukozyten: weiße Blutkörperchen (Monozyten, Lymphozyten sind Untergruppen)
  • Plasma: Der flüssige, zellfreie Teil des Blutes

Die Ergebnisse zeigen, dass bei denjenigen, die dunkle Schokolade gegessen hatten, bis zu 22 Stunden nach dem Verzehr erhöhte Plasmaspiegel an Epicatechin messbar waren. Dies stimmte mit weniger DNA-Schäden bei den Blutzellen überein. Trotzdem hatte der Verzehr dunkler Schokolade keine Auswirkung auf die gesamte antioxidative Aktivität. Der Verzehr der weißen Schokolade führte zu keinen Veränderungen der gemessenen Faktoren. Die Forscher folgerten: „Dunkle Schokolade kann vorübergehend die Beständigkeit der DNA gegen oxidativen Stress verbessern.“ Sie fügten hinzu: „Die vorliegenden Ergebnisse sind klinisch ermutigend, insbesondere im Bereich der Ernährungs-Therapie von Übergewicht, weil Übergewichtige auch häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs betroffen sind.“ Leider erhöht der Verzehr von dunkler Schokolade den Plasmaspiegel des Epicatechins nicht langfristig, so dass, gemäß dieser Studie, dunkle Schokolade täglich verzehrt werden müsste, um von diesen Vorteilen zu profitieren.

Es ist seit langem bekannt, dass Kakao ein wichtiger Teil einer gesunden Ernährung ist. Donatella Lippi von der Abteilung für Anatomie, Histologie und Rechtsmedizin, Universität Florenz (Italien) [2] weist auf Details aus der Geschichte hin:

„Die Azteken glaubten, dass Kakaoschoten Leben und Fruchtbarkeit symbolisieren, und dass das Essen der Frucht des Kakaobaumes ihnen ermöglichte, Weisheit und Macht zu erwerben. Kakao wurde nachgesagt, nährende, stärkende und aphrodisierende Eigenschaften zu haben.“

Ein gut erforschter Vorteil der Schokolade ist die Verbesserung der Gesundheit des Herzens. Die Zahlen der Stockholm Heart Epidemiology Study zeigen, dass von 1169 nicht-diabetischen Patienten, die ihren ersten Herzinfarkt erlitten, diejenigen, die regelmäßig dunkle Schokolade aßen, diesen (Herzinfarkt) eher überlebten. [3] In einer Studie mit dunkler Schokolade, im International Journal of Cardiology [4] veröffentlicht, wurde die Wirkung von 45 g dunkler Schokolade auf den Blutfluss in den Herzkranzarterien durch Doppler-Ultraschall gemessen. Nach zwei Wochen mit täglichem Schokoladeverzehr der Probanden schlussfolgerten die Forscher:

„Der Verzehr von Flavonoid-reicher dunkler Schokolade verbesserte deutlich den Blutfluss in den Herzkranzgefäßen gesunder Erwachsener, unabhängig von Veränderungen der Faktoren für oxidativen Stress, von Blutdruck und Blutfett-Profil. Hingegen hatte weiße Schokolade ohne Flavonoide keine solche Wirkung.“

Epicatechine sind Polyphenole, eine spezielle Antioxidantien-Art, und sie gehören zu der Familie der Catechine. Catechine sind in Tee, Wein, Obst und Gemüse sowie dunkler Schokolade gefunden worden. In der Schokolade sind es gerade die Bitterstoffe, die die nützlichen Antioxidantien enthalten: Ein Leitartikel in The Lancet [5] weist darauf hin, dass einige Schokoladenhersteller nach Entfernung der bitteren Flavanole die Kakaomasse nachdunkeln, „so kann auch eine dunkelfarbige Schokolade keine Flavanole enthalten“. Darüber hinaus können die verwendeten Farbstoffe mehr als die maximal von der EU zugelassenen Quecksilber-Werte aufweisen (1 mcg/g). [6] Hersteller kennzeichnen selten den Einsatz von Zusatzstoffen in ihren Produkten. Darüber hinaus enthält 45 g dunkle Schokolade ca. 200 Kalorien, somit muss die Kalorienzufuhr als Teil der Risiko-Nutzen-Abwägung mit berücksichtigt werden. Ein Weg dies alles zu umgehen könnte sein, rohe Kakao-Nibs zu verwenden, welche keinen Zucker enthalten und nicht erhitzt wurden, wodurch sie wahrscheinlich einen höheren Catechingehalt haben, wiewohl der Verbraucher diese Vorteile, zum Beispiel im Vergleich zum Trinken von Rotwein, nicht erkennen dürfte.

Daher ist die Menge an Schokolade die konsumiert wird, nicht notwendigerweise proportional zu ihrem gesundheitlichen Nutzen. Ein weiterer Artikel im British Journal of Nutrition [7] zeigt, dass selbst eine Verdoppelung des Polyphenol-Gehaltes in der täglichen Schokoladendosis keine, entsprechendend der Menge der Polyphenole, signifikanten Vorteile hatte:

Es wurde beobachtet, dass eine Menge von 500 mg Polyphenolen bei der Verringerung des Nüchtern-Blutzuckers sowie den systolischen und diastolischen Blutdruckwerten ebenso wirksam war wie eine Dosis von 1000 mg Polyphenolen, was nahe legt, dass mit zunehmender Menge an Polyphenolen ein Sättigungseffekt auftritt.

Dunkle Schokolade ist für Menschen aller Blutgruppen geeignet. [8] Jedoch weist eine neuerer Bericht im Journal of Cardiovascular Pharmacology [9] darauf hin, dass zusätzlich zu den bekannten antioxidativen Effekten, Schokolade dem Herz-Kreislauf-System durch die Verbesserung der Wirksamkeit des Stickoxids (NO) direkt helfen kann. Die Wiederverwertung des Stickoxids ist eine wichtige Funktion, die bei Menschen mit dem B-Antigen (Blutgruppen B und AB) manchmal unzureichend abläuft. Vermutlich aufgrund einer genetischen Verknüpfung mit dem Enzym Argininosuccinat-Synthase. [10]

Wenn Sie Ihren Lieben Schokolade schenken möchten, könnte es klug sein, auf einen hohen Polyphenol-Gehalt zu achten, d.h. eine Schokolade mit hohem Kakaoanteil, aber ohne Farbstoffe. Und nicht vergessen: Die meisten gesundheitlichen Vorteile erzielen Sie durch regelmäßigen Verzehr bei gleichzeitiger Mäßigung.

 

Wussten Sie, dass

  • im 19. Jahrhundert Kakao-Produkte noch in Apotheken verkauft wurden? Ihre Inhaltsstoffe wirken nämlich anregend und stimmungsaufhellend.
  • die Kakaobohne ein Zahlungsmittel bei den Azteken und Mayas war?
  • Kakao bei den Mayas als Gewürz verwendet wurde?
  • Kakao bei den Mayas kein Massenprodukt war, sondern ein Getränk, das dem Adel vorbehalten war?
  • die Kakaopflanze bei den Azteken als Quelle der Weisheit galt, für gewaltige Energie und gesteigerte sexuelle Potenz?
  • der italienische Arzt Stephani Blancardi (1650 – 1702) meinte: „Schokolade hat nicht nur einen angenehmen Geschmack, sondern ist auch eine echte Wohltat für den Mund, ein Mittel, um Drüsen und Körpersäfte bei guter Gesundheit zu halten.“?

 

Literatur:

1. Spadafranca A, Martinez Conesa C, Sirini S, Testolin G. „Effect of dark chocolate on plasma epicatechin levels, DNA resistance to oxidative stress and total antioxidant activity in healthy subjects.“ Br J Nutr. 2010 Apr;103(7):1008-14.